Die Reiterstaffel der Polizeidirektion Braunschweig

Aufgabenbereiche und Einsatzmöglichkeiten im täglichen Dienst

Die Reiterstaffel Braunschweig verfügt über einen Bestand von 20 Dienstpferden, davon sind 18 Einsatzpferde und zwei „Remonten" (in der Ausbildung befindliche Pferde), sowie 20 Polizeireiterinnen und -reiter.

Im täglichen Dienst gibt es berittene Streifen mit allen Facetten des polizeilichen Alltags grundsätzlich in den Bereichen der Polizeidirektion Braunschweig „zwischen Harz und Heide".

Neben dem Einsatz zum Schutz ökologisch relevanter Bereiche wie Natur- oder Landschaftsschutzgebiete, Parkanlagen oder Badeseen und der Prävention und Präsenz in Naherholungsgebieten werden regelmäßig auch innerstädtische Bereiche bestreift.

Dabei berücksichtigen die Reiterinnen und Reiter nach Informationsaustausch mit den örtlichen Dienststellen insbesondere deliktsspezifische Brennpunkte (z.B. Jugendkriminalität, Vandalismus).

Der gezielte Einsatz der Reiter bei Vatertagswanderungen, Maifeiern und ähnlichen polizeilichen Lagen, die einhergehen mit der Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs durch Kinder und Jugendliche, hat sich ebenso bewährt wie z.B. der Einsatz bei Sofortfahndungen nach flüchtigen Tätern, Suchmaßnahmen, Absperrungen und Geländeevakuierungen bei Bombenräumungen.

Einen Schwerpunkt des Einsatzes der Reiterstaffel bildet mittlerweile die polizeiliche Begleitung von Fußballspielen. Von der Bundesliga bis hinunter zur fünften Spielklasse wird der wirkungsvolle Einsatz der Dienstpferde besonders deutlich.

So werden immer wiederkehrend die diversen Fangruppierungen bei Spielen in Wolfsburg, Osnabrück, Braunschweig, Emden und gelegentlich sogar in Gifhorn reiterlich begleitet und das Aufeinandertreffen mit gegnerischen Gruppen unterbunden.

Auch bei Fußballspielen in den benachbarten Bundesländern Hamburg und Bremen kam die Braunschweiger Reiterstaffel zum Einsatz.

Aber auch bei anderen demonstrativen Großveranstaltungen und den wiederkehrenden Castor-Transporten ins Wendland ist der Einsatzwert der Polizeipferde hoch.

Schon im Vorfeld möglicher Konflikte kann allein die Präsenz der Polizeipferde dazu führen, dass Lagen nicht eskalieren. Der natürliche Respekt des Menschen vor dem Pferd aufgrund seiner Größe und Ausstrahlung bewirkt eine Beruhigung der Situation. Das kann die Durchsetzung polizeilicher Maßnahmen sehr erleichtern.

Die erhöhte Sitzposition des Reiters bewirkt außerdem, dass er zum einen gut gesehen wird und er selbst zum anderen eine sehr gute Sicht auch auf größere Menschenmengen hat und somit gut beobachten kann.

Auch für die Überwachung von Parkräumen und Veranstaltungsgeländen insbesondere zur Bekämpfung der Diebstahlskriminalität, bei der Verkehrsüberwachung und bei der Verkehrslenkung kommt ihm dieser Vorteil zu Gute.

In Bereichen mit saisonal bedingtem erhöhten Tourismusaufkommen (Harz und Heide) verstärken die Polizeireiter die örtlichen Dienststellen und stellen besonders in den Gebieten des Südparks Heide sowie der Elbtalaue über einen mehrwöchigen Abordnungszeitraum eine feste polizeiliche Größe dar.

Schließlich finden die Beamtinnen und Beamten der Reiterstaffel immer wieder die Möglichkeit, sich mit ihren Dienstpferden im Rahmen der polizeilichen Öffentlichkeitsarbeit zu präsentieren und ihre Aufgaben zu erläutern.

Bei Tagen der offenen Tür von Polizeidienststellen oder bei Ausstellungen sind sie regelmäßig ein Besuchermagnet.


Polizeireiter und -pferde
Polizeireiter und -pferde
Polizeidienstpferde im geschlossenen Einsatz

Über den täglichen Streifendienst hinaus hat sich der Einsatz von Dienstpferden für eine Reihe polizeilicher Maßnahmen im Rahmen größerer polizeilicher Lagen bewährt. Der Einsatz beschränkt sich hier nicht nur auf den Bereich der Polizeidirektion Braunschweig, sondern erstreckt sich bei entsprechenden Anforderungen auf ganz Niedersachsen oder sogar darüber hinaus.

Aufklärungs- und Schutzmaßnahmen, Durchsuchungen insbesondere unwegsamer und weitläufiger Geländeabschnitte, Fahndungen, Absperrungen und Kontrollen sind neben weiteren Maßnahmen die Aufgaben.

Der natürliche Respekt des Menschen vor dem Pferd kann in vielerlei Hinsicht sehr positiv ausgenutzt werden.

Der offensive Einsatz von Polizeipferden durch rechtzeitiges Zeigen im Vorfeld einer angespannten Situation kann beruhigend wirken, die optische Präsenz der Polizeikräfte wird durch Dienstpferde um einiges verstärkt.

Darüber hinaus ist die Hemmschwelle, Pferde zu attackieren, in den meisten Fällen wesentlich höher als bei Einsatzkräften zu Fuß, was für die Durchsetzung polizeilicher Maßnahmen hilfreich sein kann.

Auch die erhöhte Mobilität der Pferde sowie die durch die erhöhte Sitzposition des Reiters gewonnene bessere Übersicht macht sich die Polizei bei der Bewältigung ihrer Einsatzlagen zu Nutze. Bewegungen von Menschenmengen können besser erkannt und leichter kanalisiert werden.

Nicht zuletzt zur Entlastung der zu Fuß agierenden Einsatzkräfte und zu deren Eigensicherung ist der Einsatz von Polizeipferden sinnvoll und kräfteschonend.

Polizeipferde bei der Ausbildung
Polizeipferde bei der Ausbildung
Die Ausbildung Ausbildung der Reiter/-innen

Die Ausbildung zur Polizeireiterin oder zum Polizeireiter setzt das abgeschlossene (Polizei-)Studium an der Polizeiakademie Niedersachsen voraus. Eine daran anschließende Verwendung in der Bereitschaftspolizei sowie im Einsatz- und Streifendienst ist grundsätzlich notwendig.
Reiterliche Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Interessierte an dieser speziellen polizeilichen Verwendung sollten schon vor einer Bewerbung Kontakt mit den Verantwortlichen der Reiterstaffel aufnehmen, um grundlegende Informationen über den dortigen Dienst zu bekommen.

Die Ausbildung bei der Reiterstaffel dauert ein halbes Jahr. Sie umfasst in Theorie und Praxis das Reiten in der Dressur, im Springen, im Gelände sowie im geschlossenen Verband. Darüber hinaus werden weitere Kenntnisse über die Reitlehre, über die Haltung und Pflege von Pferden sowie über Veterinärkunde vermittelt.

Eine praktische und eine schriftlich zu absolvierende Prüfung schließt den Reitlehrgang ab und beenden damit die Grundausbildung.

Darauf folgt eine für Reiter und Pferd erforderliche regelmäßige Fortbildung.


Die Ausbildung der Pferde

In der Regel handelt es sich bei den Pferden der Braunschweiger Reiterstaffel um „Hannoveraner". Diese Rasse zeichnet sich durch eine starke Belastbarkeit, ein verhaltenes Temperament und ein robustes Gesamtverhalten aus. Die „Hannoveraner" besitzen darüber hinaus ein relativ starkes Nervenkostüm mit einer recht hohen Reizschwelle.

In erster Linie kauft die Reiterstaffel Wallache im Alter von drei bis fünf Jahren. Wallache sind grundsätzlich ausgeglichener und friedfertiger sind als Stuten und Hengste.

In der nun folgenden Zeit durchlaufen sie eine Ausbildung, in der sie die Grundlagen der Dressur, des Springens und des Geländereitens erfahren, die sich an den Richtlinien für das Reiten und Fahren der Deutschen Reiterlichen Vereinigung orientieren.

Über diese grundlegende Reitausbildung hinaus werden die Pferde einer intensiven speziellen polizeilichen Ausbildung unterzogen. Sie besteht darin, das Pferd an akustische und optische Umweltreize zu gewöhnen und den natürlichen Instinkt des Tieres, vor Unbekanntem und Ungewöhnlichem zu flüchten, kontrollierbar zu machen. Dies wird unter anderem durch den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwischen Pferd und Reiter/-in erreicht, was sehr viel Zeit und Geduld erfordert.

Die Ausbildung des Polizeipferdes dauert zwölf bis 18 Monate und wird für jedes junge Pferd individuell - abhängig von Nervenstärke und Belastbarkeit - gestaltet.

Die Pferde werden langsam und anfangs stets in Begleitung älterer und erfahrener Einsatzpferde an derartige Dinge, wie z.B. im Wind wehende Fahnen, bunte Luftballons, rasselnde Dosen, Schreckschussrevolver oder gar offenes Feuer herangeführt. Auch das Reiten im Straßenverkehr ist Teil der Ausbildung.

Die Übungsintensitäten sollten allmählich gesteigert werden. Auf jeden Fall aber ist eine Überforderung zu vermeiden.

Die Pferde werden zum Abschluss der Grundausbildung geprüft. Aber auch danach trainieren sie ständig in allen Bereichen.


Polizeireiter und -pferde  

Polizeireiter und -pferde

Artikel-Informationen

26.10.2017

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